ErscheinungsbildGastronomie · S. 12
Ein Kiosk, den man lesen kann.
Seit 1956 steht die Trinkhalle am Rheinufer, ein Würfel unter einem weit auskragenden Flugdach. Als Selin und Paul Okafor sie übernahmen, sollte die Marke nichts erfinden, was der Kiosk nicht längst erzählt. Sie sollte es nur lesbar machen.
- S. 20 Zwischen Setzkasten und Siebdruck
- S. 28 Papier, das nachdunkelt
- S. 34 Briefe an das Büro
Am Anfang stand kein Logo, sondern ein Querschnitt. Ein Würfel aus Beton, ein Ausgabefenster mit vier Flügeln und ein Dach, das zwei Meter über die Wand hinausragt. Zwei Tage lang haben wir die Trinkhalle gezeichnet, bevor wir den ersten Buchstaben gesetzt haben. Aus diesen Skizzen ist die Bildmarke entstanden: eine einzige Linie, die Flugdach, Fenster und Theke nachzieht.1
Die Schrift ist schmal und weit gesperrt, wie die Leuchtbuchstaben, die früher auf dem Dach standen. Sie trägt auf der Markise genauso wie auf dem Kassenbon, und sie braucht keine Farbe, um zu wirken. Auf Papier steht sie in Grafit, auf Glas in Weiß, auf der Preistafel in der Handschrift von Paul.
»Wir wollten kein Logo, das man sieht. Wir wollten eines, das man wiedererkennt.«
Ein Raster aus dem Feuilleton
Für die Preistafel haben wir das Raster unseres Hausmagazins übernommen: zwei Spalten, Haarlinien, Rubriken statt Kategorien. Kaffee steht unter »Morgens«, Eis unter »Nachmittags«, Kölsch unter »Spät«. Die Preise stehen in Mediävalziffern, damit sie im Satz bleiben und nicht schreien.
Gedruckt wird auf ungestrichenem Naturkarton, der in der Sonne nachdunkelt. Nach einem Sommer sieht die Tafel aus, als hätte sie schon immer im Fenster gehangen. Genau das war das Ziel.
Morgens
Filterkaffee 2,40
Milchkaffee 3,20
Mettbrötchen 3,50
Nachmittags
Eis, zwei Kugeln 3,60
Waffel 3,20
Limonade 2,90
Spät
Kölsch, 0,33 l 2,80
Apfelschorle 2,60