Die Frage
Es begann mit einem Karton. Im Herbst 2025 brachte uns ein pensionierter Hafenmeister sieben Messbücher vorbei, gebunden in grünes Leinen. Darin, Tag für Tag und in drei verschiedenen Handschriften, der Wasserstand an der Hafenspitze. Manche Einträge haben einen Stern. Daneben steht dann nur ein Wort: „Keller“.
Wir haben uns gefragt, ob man so etwas ausstellen kann. Eine Zahl, die jeden Tag eine andere ist. Ein Wasser, das in Flensburg fast nie Ebbe und Flut kennt, aber bei Ostwind plötzlich in der Norderstraße steht. Die Antwort war: nicht als Zahl. Nur als Erfahrung.
So wurde aus einem Archivprojekt eine Ausstellung mit vier künstlerischen Positionen, dreiundsechzig Objekten und einer Halle, in der man den höchsten Wasserstand der Stadtgeschichte am eigenen Körper ablesen kann.
Die Leihgaben
Elf Leihgeber haben uns Dinge anvertraut, die normalerweise niemand sehen will. Eine Pegellatte aus Eichenholz von 1911, unten schwarz vom Teer, oben gebleicht. Das Tagebuch einer Fischerfamilie aus Sonwik. Eine Kinderzeichnung von der Hochwassernacht 1989, mit Buntstift, auf der die Häuser Schwimmflügel tragen.
Jedes Objekt bekam ein eigenes Gespräch. Wir wollten nicht nur wissen, woher es kommt, sondern wo es gestanden hat, als das Wasser kam. Diese Sätze stehen jetzt neben den Vitrinen, in Alltagssprache und in Leichter Sprache.
Pegellatte, Eiche, 1911
Privatbesitz, Flensburg
Die vier Künstlerinnen und Künstler haben auf diese Sammlung geantwortet. Ida Kjær zeichnet seit einem Jahr jeden Morgen den Wasserstand als Linie. Jonas Petersen-Holm hat die Geräusche der Hafenspitze bei Sturm aufgenommen, vierzig Nächte lang.
Der Aufbau
Halle 2 ist ein ehemaliger Speicher mit einem Betonboden, der seit hundert Jahren trocken ist. Genau das war das Problem. Wie erzählt man von Wasser in einem Raum, der es fernhält? Wir haben uns gegen Wasser entschieden und für Licht.
Die Halle wird nie nass. Aber man soll spüren, wie hoch das Wasser schon stand.
Eine Lichtkante läuft in der Höhe des Rekordpegels durch den ganzen Raum. Wer hindurchgeht, steht bis zur Brust darunter. Kinder verschwinden ganz. Am Eingang hängt eine Tastversion des Grundrisses, und alle Texte gibt es als Audioguide, gelesen von Menschen aus der Nachbarschaft.
Der Aufbau dauerte neun Wochen. Die längste davon gehörte einer einzigen Vitrine: Das Messbuch von 1872 darf nur bei 50 Lux liegen und nie aufgeschlagen bleiben. Jetzt blättert ein kleiner Motor einmal pro Stunde um.
Die Eröffnung
Am 13. November öffnen wir die Halle für alle, die mitgeholfen haben, und für alle anderen auch. Der Eintritt ist an diesem Abend frei. Danach begleitet ein Programm die Ausstellung bis in den März: Führungen, Gespräche und eine Nacht an der Mole.
- Fr 13.11.
19:00Eröffnung „Mittelwasser“Halle 2 · Eintritt freiMerken - So 15.11.
15:00Führung mit dem KuratorTreffpunkt Foyer · 60 Min.Tickets - Do 19.11.
18:30Gespräch: Leben mit dem HochwasserSaal · mit GebärdenspracheTickets - Sa 28.11.
11:00Tastführung durch die HalleHalle 2 · mit AnmeldungAnmelden
Und die Messbücher? Gehen nach der Ausstellung zurück an ihren Besitzer. Er hat versprochen, das achte anzufangen.